
Über das Holz der Rosskastanie
Die Rosskastanie wird im Alltag häufig fälschlicherweise einfach als Kastanie bezeichnet (was botanisch eigentlich der Edelkastanie vorbehalten ist) und zählt zu den bekanntesten Straßen-, Park- und Zierbäumen. Im Wirtschaftswald ist sie nahezu gar nicht zu finden, obwohl sie beachtliche Höhen und gewaltige Stammdimensionen erreichen kann. Botanisch ist die Rosskastanie eng mit dem Ahorn verwandt und stammt ursprünglich aus Kleinasien.
Ihr Holz wird nur selten genutzt, zeigt im Holzbild aber deutlich die Verwandtschaft zum Ahorn. Das Holz ist im Grundton strahlend gelb, die Jahrringe sind jedoch wesentlich schwerer zu erkennen als beim Ahorn. Das Holz ist angenehm leicht bis mittelschwer sowie weich bis mittelhart. Rosskastaniengewächse neigen in der Natur extrem häufig zu einem starken Drehwuchs. Holz aus solchen verdrehten Stämmen ist schwer zu bändigen und verzieht sich stark. Holz aus drehwuchsfreien Stämmen hingegen arbeitet nach dem Einschnitt nur wenig und bleibt sehr formstabil.
Die Rosskastanie bildet im Alter fast immer einen rötlichen bis hellbraunen Nasskern aus, der – wie der Name sagt – extrem feucht ist. Dadurch trocknet der Stamm sehr ungleichmäßig herunter, was nach der Trocknung oft zu welligen, sägerauen Oberflächen führt. Das Holz besitzt bereits im sägerauen Zustand einen wunderschönen, seidenmatten Glanz, ein sehr ruhiges, homogenes Holzbild und häufig eine dezente Riegelung. Sogenannte Rosskastanien-Maserknollen oder stark geriegelte Stämme erzielen im Edelholzhandel absolute Liebhaberpreise.
Eine absolute Besonderheit zeigt sich, wenn man die Stämme nach dem Einschlag absichtlich liegen lässt: Das Holz stockt außergewöhnlich farbenfroh, was kaum mit einer anderen Holzart vergleichbar ist. Von intensiver Rotstreifigkeit und Rotflammigkeit über Bläue bis hin zur tiefschwarzen-weißen Marmorfäulnis findet man hier alles, was das Holz extrem dekorativ macht. Da dieser Pilzprozess jedoch rasant verläuft, kann das Holz nach dem Fällen kaum als Rundholz gelagert werden. Es muss sofort eingesägt und penibel kammergetrocknet werden, wenn man die ursprüngliche helle Farbe beibehalten will. Ein genialer Geheimtipp für Holz-Nerds: Der Inhaltsstoff Aesculin im Holz fluoresziert extrem stark – legt man frische Späne in Wasser, leuchten sie unter UV-Licht in einem magischen Neon-Blau!
Beispielbilder
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